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Windlade
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Die Windlade ist eines der zentralen technischen Bauteile einer Orgel oder eines orgelÀhnlichen Instruments. Entsprechend des Spieles des Organisten in Tonhöhe, Tondauer und Klangfarbe (durch die Wahl entsprechender Register) steuert die Windlade die Luftzufuhr aus dem Windwerk zu den Orgelpfeifen.
Bei Windladen haben sich seit dem Mittelalter bis heute unterschiedliche Bauformen â mit Untervarianten â herausgebildet, die sich nach Art und Systematik der Ventiltechnik unterscheiden lassen.
Kleine Orgeln kommen mit einer einzigen Windlade aus, gröĂere weisen mindestens eine Lade je Manual- und Pedalwerk auf. Die Gruppierung der Pfeifen zur Prospektgestaltung kann weitere Aufteilungen in Einzelladen erforderlich machen. Bis zum ausgehenden Mittelalter waren Instrumente mit einer einfachen Form der Windlade versehen, nĂ€mlich mit einem oder mehreren Blockwerken. Instrumente dieses Typs werden Blockwerksorgeln genannt.
Contents
âą Bauformen
âą Tonkanzellenlade
âą Schleiflade
âą Springlade
âą Kegellade
âą Kastenlade
âą Pitman-Lade
âą Einzeltonlade
âą Sperrventillade
âą Doppellade
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Bauformen
Es lassen sich drei Grundtypen unterscheiden:
1. Tonkanzellenlade â Alle Pfeifen einer Tonhöhe stehen auf einer gemeinsamen Tonkanzelle.
2. Registerkanzellenlade â Alle Pfeifen eines Registers stehen auf einer gemeinsamen Registerkanzelle.
3. Kastenlade â Alle Pfeifen stehen direkt auf dem Windkasten.
Tonkanzellenlade
Bei der Tonkanzellenlade teilen sich alle Pfeifen, die beim DrĂŒcken einer Taste erklingen können, eine Kammer, die sogenannte Tonkanzelle, und somit auch ein Spielventil.
Schleiflade
Allgemein
Die Schleiflade hat ihren Namen durch die Art der Registersteuerung. Lange Holzleisten, Schleifen genannt, besitzen fĂŒr jede Pfeife ein Loch. Unter den Schleifen befindet sich das Fundamentbrett der Windlade, ebenfalls mit Löchern in gleichem Abstand und gleicher GröĂe. Ăber jeder Schleife befinden sich die Pfeifenstöcke. Vom Prinzip her gleichen diese fast den Schleifen, auch die gleichen Löcher befinden sich prinzipiell in ihnen. Ebenso wie das Fundamentbrett sind sie aber unbeweglich. Ferner sind sie dicker und in der LĂ€nge oft in mehrere StĂŒcke unterteilt. Auf die Stöcke sind mit meist etwa 15â20 cm Abstand die Rasterbretter mit Rundhölzern oder Gewindestangen aufgesteckt, diese haben alleine die Aufgabe, die hineingestellten Pfeifen zu stĂŒtzen. Auf Grund der Dicke der Stöcke besteht die Möglichkeit, die Bohrungen zur WindfĂŒhrung bei Bedarf seitlich etwas zu verfĂŒhren, falls gröĂere Pfeifen auf dem ihnen eigentlich exakt zugewiesenen Standort nicht genĂŒgend Platz haben.
Die Stöcke liegen auf kleinen Holzleisten oder sogar nur einzelnen HolzstĂŒckchen (DĂ€mmen) auf. Auf diese wird meist Papier oder Pappe aufgeklebt, um den Höhenabstand exakt so zu tarieren, dass die Schleifen einerseits leichtgĂ€ngig bewegt werden können, andererseits aber auch luftdicht sind. Die Schleife ist ĂŒber eine Mechanik mit dem Registerzug (oder bei elektrischen Registertrakturen mit dem Schleifenzugmotor oder -magnet) verbunden. Wird sie bewegt (also das Register ein- oder ausgeschaltet), sind ihre Löcher entweder in einer Flucht mit den Löchern von Fundamentbrett und Stöcken und das Register erklingt, oder die Schleife dichtet anderenfalls die Löcher des Fundamentbretts eines ausgeschalteten Registers winddicht ab. Schleifen werden meist aus Holz hergestellt, gelegentlich gibt es aber solche aus Kunststoff.
Besonders bei alten Orgeln lĂ€uft gelegentlich âHolz auf Holzâ, die Schleifen sind weder oben noch unten abgedichtet. In der Regel werden aber verschiedenste Materialien (Schaumstoff, Latex, Fiberglasringe, Liegelind, TeleskophĂŒlsen) verbaut, um die Schleifen nach unten wie nach oben abzudichten.
Unterhalb des Fundamentbretts verlaufen im 90-Grad-Winkel die Kanzellen. Jede wird mit Wind versorgt, wenn das zugehörige Ventil geöffnet ist, also die zugehörige Taste gedrĂŒckt ist. Unterhalb der Kanzellen, genauer gesagt der Kanzellenbretter oder -schiede muss nicht in jedem Fall ein weiteres und massives Brett verarbeitet sein. Ebenso können im Ventilbereich die ZwischenrĂ€ume zur Aufnahme der VentilfĂŒhrungsstifte nur mit eingeleimten HolzstĂŒckchen verschlossen und der Bereich anschlieĂend plangehobelt werden. Auch der vordere Bereich vor den Ventilen, der nicht mehr vom Windkasten umschlossen ist, muss nicht zwangslĂ€ufig mit einem Holzbrett verschlossen sein, besonders bei historischen Orgeln können auch andere Materialien wie Leder oder Papier benutzt worden sein. Besonders bei der Verwendung eines Holzbrettes kann die Winddichtigkeit der Kanzellen nur gewĂ€hrleistet werden, wenn die Kanzellen bei der Herstellung der Windlade groĂzĂŒgig mit Leim ausgegossen werden.
Die Ventile werden von einem Windkasten umschlossen, in welchen der Wind vom GeblÀse bzw. von den nachgelagerten BÀlgen direkt hineingeleitet wird. Weitere Teile, die sich in oder an dem Windkasten befinden, sind die AbzugsdrÀhte der Traktur, die Pulpeten zur Abdichtung der Austrittstellen der AbzugsdrÀhte sowie die Ventilfedern. An der zugÀnglichen Vorderseite der Windlade ist der Windkasten mit Spundbrettern verschlossen. Diese können entfernt werden, um bei Bedarf Reparaturen an den Ventilen vornehmen zu können.
In historischen Orgeln befindet sich oft nur eine dickere Lederschicht als Dichtung auf den Ventilen. Eine Eigenart dieser, an modernen MaĂstĂ€ben gemessen, eher sparsamen Dichtungslagen ist es, dass selbst bei kleineren Orgeln mit relativ kleinen Ventilen der Druckpunkt sehr deutlich zu spĂŒren ist. Allerdings ist das Ventilklappern von Fall zu Fall deutlich zu hören. Heute wird oftmals die Aufschlagseite der Ventile ebenfalls beledert und die Lederschicht der Ventile selbst um eine untere Filzschicht ergĂ€nzt. Das Ăffnen und SchlieĂen der Ventile geschieht dadurch fast unhörbar.
Der Windkasten samt Ventilen hat in aller Regel nicht ansatzweise die Tiefe der Windlade selbst. Den Bereich davor hat man besonders in den 1950er bis 1970er Jahren gerne benutzt, um LadenbĂ€lge zu bauen. Durch die Ă€uĂerst nahe Lage dieser Balgart zu den Pfeifen konnte in ganz besonderem MaĂe genau diese Art der Regel- oder AusgleichsbĂ€lge eine besonders stabile Windversorgung sicherstellen. Vom Bau von LadenbĂ€lgen sieht man heute meistens wieder ab. Der Vorteil der sehr stabilen Windversorgung bringt es (an heutigen MaĂstĂ€ben und Hörerwartungen gemessen) mit sich, dass der Orgelklang steril und zu wenig lebendig klingt. Lediglich bei extremem Platzmangel (beispielsweise bei Truhenorgeln) bietet sich diese Form auch noch heute an.
Bis zur Entwicklung anderer Ladentypen im 19. Jahrhundert war die Schleiflade fast die einzige Bauform. Lediglich die Springlade war eine gelegentlich benutzte Alternative. Die Schleiflade ist heutzutage wieder das am meisten verwendete System.
Die Àlteste erhaltene Schleiflade in der Orgel von Ostönnen kann auf vor 1440 datiert werden. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten genauen Beschreibungen von Schleifladenorgeln.
FĂŒr moderne Musik bietet nur die Schleiflade in Verbindung mit einer mechanischen oder einer entsprechend ausgestatteten elektrischen Registertraktur einen weiteren Vorteil. Einzelne Register können nur âhalbâ gezogen werden, wodurch die Pfeifen nicht die fĂŒr sie vorgesehene Luftmenge erhalten, was zu speziellen klanglichen Effekten fĂŒhrt.
Besondere Bauformen
Um Register, manchmal auch Platz oder Gewicht, beim Neubau einer Orgel einzusparen, trotzdem aber ein klangfarbenreiches Spiel zu ermöglichen, existieren verschiedene reduzierende Konstruktionsmöglichkeiten von Windlade, Schleife oder Spieltraktur und Spielventil.
Zwillingslade (Wechselschleife)
Zwillingsladen mit Wechselschleifen findet man vor allem bei kleinen Orgeln, oftmals dann, wenn der vorhandene Platz nicht fĂŒr zwei âeigenstĂ€ndigeâ Manualwerke ausreicht. Das Instrument verfĂŒgt dann gewissermaĂen ĂŒber einen Gesamtpfeifenbestand, nicht aber zwei eigenstĂ€ndige Manualwerke (etwa: Haupt- und Brustwerk). Alle Pfeifen (oder zumindest alle Pfeifen sĂ€mtlicher Manualregister) stehen auf einer einzigen Windlade. Jedes der so eingerichteten Register kann wahlweise auf einem der beiden Manuale gespielt werden (jedoch nicht auf beiden zugleich). Durch die Wechselschleifen ergibt sich die Möglichkeit, aus dem Gesamtpfeifenbestand zwei hörbare Werke zu extrahieren.
Dazu enthĂ€lt die Windlade fĂŒr jeden Ton (jede einzelne Pfeife) zwei Kanzellen (mit Tonventilen) â eine fĂŒr jedes der Manuale â, die immer direkt nebeneinander liegen. Die Bohrungen in den Pfeifenstöcken, den Schleifen und dem Fundamentbrett sind so angeordnet, dass je nach Stellung der Schleife die eine, die andere oder keine der Kanzellen den Orgelwind zur Pfeife freigibt.
Die einzelnen Register verfĂŒgen entweder ĂŒber
âą RegisterzĂŒge, die sich ganz (fĂŒr das eine Manual) oder nur halb (fĂŒr das andere Manual) ziehen lassen,
âą Je ein Registerzug fĂŒr jedes Manual; ist beim Ziehen eines Registers der Zug im anderen Manual bereits gezogen, "fĂ€hrt" dieser automatisch wieder in Grundstellung (z. B. in St. Johann Baptist (Antweiler), hier stehen einige Hauptwerksregister auch dem Pedal zur VerfĂŒgung, das nur ein Subbass 16' besitzt)
âą Registerschieber, bei denen die Zuordnung zu den Manualen ĂŒber die Bewegung eines Hebels bewirkt wird (links und rechts; bei mittlerer Stellung ist das Register abgeschaltet).cite-ref-1[1]
Mitunter gibt es Zwillingsladen auch in Orgeln mit zwei eigenstÀndigen Manualwerken. Teilweise sind nur einzelne Register aus einem der Manualwerke mit Wechselschleifen ausgestattet, so etwa in der Chororgel in St. Aposteln (Köln). Bei anderen Instrumenten mit zwei eigenstÀndigen Manualwerken ist (mindestens) eines mit Wechselschleifen ausgestattet. Die so ausgestatteten Register können dann auf einem zusÀtzlichen dritten Manual (ohne eigenes Werk) spielbar gemacht werden, vgl. z. B. die Orgel von St. Clemens (Hiltrup).
Doppellade
Die Doppellade ist eine Bauart der Schleiflade, bei der die Pfeifen eines Pedalregisters und der Manualregister platz- und kostensparend auf einer gemeinsamen Windlade stehen. Alle Pfeifen des Pedalregisters stehen auf eigenen Spielventilen, Tonkanzellen sind nicht notwendig. Alle Pfeifen einer Tonhöhe der Manualregister stehen auf eigenen Tonkanzellen mit Spielventilen. Jedes Register im Pedal- bzw. Manualwerk ist daher eigenstĂ€ndig spielbar. Diese Bauweise kommt nur fĂŒr kleine Orgeln mit nur einem Register im Pedal in Betracht, bei der so der Bau einer separaten Windlade fĂŒr das Pedalwerk entfĂ€llt.
Weitere besondere Bauformen
Vorabzug
Eine bei der Schleiflade besonders einfach umsetzbare Sonderform eines Orgelregisters ist der Vorabzug. Die Schleife eines Mixturregisters oder einer Sesquialtera, also eines Registers mit mehr als einer Pfeifenreihe, bekommt fĂŒr eine dieser Pfeifenreihen entweder einen lĂ€ngeren Schlitz oder zwei Löcher je Pfeife. Wird der zugehörige Registerzug nur halb gezogen, erklingt zunĂ€chst nur diese eine Pfeifenreihe, erst bei vollem Zug erklingen alle Pfeifenreihen des betreffenden Registers.
Koppelventil
Eine Schleiflade, die mit Koppelventilen gebaut ist, hat fĂŒr jede Tonkanzelle zwei Spielventile, so dass die Register von zwei Manualen bzw. Pedal und Manual aus spielbar sind. Im Gegensatz zur Zwillingslade besitzt ein Ton hier keine zwei Tonkanzellen, sondern beide Spielventile gehören zu einer gemeinsamen Kanzelle. Die Pfeifen stehen wie gewöhnlich ĂŒber einer einfachen Schleife. Die gezogenen Register sind stets auf beiden Manualen bzw. im Manual und Pedal spielbar und können nicht getrennt fĂŒr nur eines registriert werden. Dieselbe Wirkung lĂ€sst sich auch mit einer Koppel realisieren. Besonders bei kleineren Orgeln mit sehr kleinem Pedalwerk bestand einerseits die Notwendigkeit, das Pedalwerk zu koppeln, andererseits gab es gelegentlich das Bestreben, dieses technisch sehr einfach zu gestalten. Dazu erhielten die betreffenden Kanzellen eines Manualwerks fĂŒr den Tonraum des Pedalumfangs ein zweites Ventil, welches mit der Pedalklaviatur verbunden ist.
b-dteilungBass-/Diskantteilung
Die Schleife eines Registers wird bei dieser Bauform nicht in einem StĂŒck, sondern in zwei HĂ€lften ausgefĂŒhrt: Eine Bass- (linke HĂ€lfte des Manuals) und eine DiskanthĂ€lfte (rechte HĂ€lfte des Manuals). Jede SchleifenhĂ€lfte wird mit einem separaten Registerzug versehen, damit man im Bass, wenn man dies wĂŒnscht, andere Register erklingen lassen kann als im Diskant. Eine einmanualige Orgel ermöglicht so den Effekt einer zweimanualigen Orgel.cite-ref-2[2]
Springlade
Eine gĂ€nzlich andere Bauart ist die Springlade, bei der sich innerhalb jeder Tonkanzelle fĂŒr jede Pfeife (bei gemischten Stimmen: fĂŒr jeden Ton) ein weiteres Ventil befindet. Ăber allen diesen kleinen Tonventilen befinden sich Stecher, die nach oben aus der Lade ragen. Oberhalb aller dieser Einzelventile eines Registers liegt eine bewegliche Leiste. Wird diese mittels der Registertraktur nach unten bewegt, drĂŒckt sie auf die Stecher und öffnet alle betreffenden Ventile. Da dieses gegen die Federkraft von zahlreichen Ventilen geschieht, mĂŒssen die RegisterzĂŒge (im Gegensatz zur Schleiflade) im gezogenen Zustand eingerastet werden. Der Name der Springlade kommt entweder daher, dass ein Register, wenn wieder abgestoĂen, durch die Kraft der Federn âzurĂŒckspringtâ â oder schlicht vom englischen Namen fĂŒr die hier so charakteristischen und vielfach verbauten Federn, nĂ€mlich âSpringâ.
Der Vorteil der Springlade ist gegenĂŒber der Schleiflade die Unempfindlichkeit gegenĂŒber KlimaverĂ€nderungen. Diese Feststellung gilt jedoch nur, wenn man sie mit Schleifladen vergleicht, bei denen die Schleifen keine Dichtungen haben. Das ist heute kaum der Fall. Daher fĂ€llt inzwischen mehr der Nachteil ins Gewicht, dass die vielen Ventile eine groĂe Anzahl an potentiellen Fehlerquellen darstellen. Zudem ist durch das mechanisch aufwĂ€ndigere Ein- und Aushaken der RegisterzĂŒge ein schnelles Umregistrieren der Orgel schlechter möglich.
Bei sogenannten doppelten Springladen können alle zu einem Ton gehörigen Ventile, einer Schublade gleich, an einem Griff herausgezogen werden. Dadurch wird die Wartung stark vereinfacht.
Registerkanzellenlade
Bei den Registerkanzellenladen teilen sich alle Pfeifen eines Registers eine Kanzelle. Diese Kanzelle wird mit Wind versorgt, sobald das Register gezogen ist. FĂŒr jedes Register gibt es hier ein einziges Registerventil, wohingegen fĂŒr jede Pfeife ein Spielventil benötigt wird. Daraus resultiert ein höherer Wartungsaufwand, der der Nachteil aller Systeme mit Registerkanzellen ist. Vorteil ist die stabilere Windversorgung jeder einzelnen Pfeife, auch wenn viele Register gezogen sind.
Kegellade
Die Kegellade wurde etwa Mitte des 19. Jahrhunderts eingefĂŒhrt. FĂŒr jeden Ton in der Kanzelle gibt es ein Kegelventil, das eine Verbindung zu der Pfeife (oder mehreren Pfeifen im Falle eines gemischten Registers) öffnet.
ZunĂ€chst wurden Kegelladen mechanisch gesteuert. Dabei wird jedoch durch jedes hinzukommende Register der Tastendruck höher. Deshalb setzte sich spĂ€ter die pneumatische Traktur weitgehend durch. Bei der pneumatischen Steuerung wird durch das DrĂŒcken einer Taste (in der Abbildung: a) nur ein Ventil (b) geöffnet, das dann pneumatisch kleine LederbĂ€lgchen unter den Registerkanzellen aufblĂ€st (d), die wiederum die Kegelventile (e) anheben.
Ein Vorteil der Kegellade ist die einfachere Ventilkonstruktion. Bei der pneumatischen Kegellade muss der Organist nur ein kleines Ventil bewegen, so dass die Traktur leichtgĂ€ngig bleibt, ganz gleich wie viele Register angesteuert werden. Sie ermöglichte auĂerdem die Konstruktion von freien Kombinationen.
Den Vorteilen stehen mehrere Nachteile gegenĂŒber: Durch die pneumatische Ăbertragung entstehen Verzögerungen. Diese lassen sich allenfalls durch Elektrifizierung oder Konterrelais mildern. Zudem fehlt dem Organisten bei elektrischer oder pneumatischer Traktur die sensorische RĂŒckmeldung (der Gegendruck der Tasten wird eigens durch eine Feder erzeugt), weshalb mechanische Trakturen bevorzugt werden. Die Kegelventile neigen auĂerdem dazu, NebengerĂ€usche zu verursachen, die sich durch die BetĂ€tigung mehrerer Ventile pro Ton vervielfachen.
FĂŒr Kompositionen der SpĂ€tromantik, also der Zeit, in der pneumatische Laden modern waren, kann jedoch das Spiel auf Kegelladenorgeln durchaus angemessen sein. Das betrifft zum Beispiel die Orgelwerke Max Regers.
Taschen- und Membranlade
Diese pneumatische Ladenart enthĂ€lt als Tonventile Ledertaschen (in der Abbildung: e) oder -membranen, die durch Druckluft (Arbeitswind, d) vor die Ăffnungen zu den Pfeifen gepresst werden und so dem Spielwind den Weg von der Registerkanzelle (f) in die Pfeife (g) versperren. Wird eine Taste (a) gedrĂŒckt, so wird der Wind aller Taschenventile fĂŒr diesen Ton abgelassen. Durch den Druck des Spielwindes aus der Registerkanzelle geben die Taschen die Ăffnungen zur Pfeife frei, so dass der Wind in die Pfeifen fĂŒr diesen Ton gelangt. Man unterscheidet bei Taschenladen zudem noch zwischen liegenden Taschen (vgl. Abbildung) und stehenden Taschen. In letzterem Fall befindet sich die Ăffnung zur Pfeife seitlich der Kanzelle. Bei einer Membranlade (z. B. nach dem System von Weigle) sind die Bohrungen zu den Pfeifen statt mit einer liegenden Tasche nur mit einer sich durch den Winddruck auswölbenden Ledermembran (ohne Feder im Innern) verschlossen. Die Funktionsweise ist dieselbe, mit dem Unterschied, dass die beim Spiel bewegte Masse des Ventils auf ein Minimum reduziert wird.
Man spricht an dieser Stelle von einem Abstromsystem, bei dem durch das AbflieĂen des Windes eine Funktion ausgelöst wird. In der Abbildung ist bei b und c ein Zustromsystem zu erkennen, bei dem das Einströmen des Windes eine Funktion auslöst. Kegelladen sind daher Zustromsysteme. Auf dem Weg zwischen Taste und Ventil können beide Systeme Anwendung finden. Die abgebildete Traktur ist zum Beispiel ein Zustrom-Abstrom-System. Abstromsysteme gelten als prĂ€ziser, aber auch als potentiell störanfĂ€lliger als Zustromsysteme.
Höhere PrĂ€zision und Geschwindigkeit sind auch insgesamt die Vorteile der Taschenlade gegenĂŒber der Kegellade. AuĂerdem bewegen sich nur die Taschen, deren Register eingeschaltet sind, und diese verursachen kaum NebengerĂ€usche. Der Nachteil ist jedoch vor allem, dass alle Arten von Membranen auf Dauer VerschleiĂ und Undichtigkeit aufweisen. Bei Abstromsystemen fĂŒhrt der Defekt einer Tasche/Membran zu einem Druckabfall im gesamten Relais und damit zu störenden TonhĂ€ngern, wĂ€hrend derselbe Defekt bei Zustromsystemen lediglich zu einem Tonausfall fĂŒhrt.
Als Erfinder der Taschenlade gilt Friedrich Witzig, der als Mitarbeiter bei den Orgelbaufirmen Steinmeyer, Strebel und Maerz tĂ€tig war. Er war fĂŒr dieses System der Inhaber eines Patentes aus dem Jahr 1896.cite-ref-3[3]
Hochstocklade (System Seifert)
1882 lieĂ sich Clemens Schneider eine besondere Bauform einer Membranlade mit stehenden Membranen, die sogenannte Hochstocklade, patentieren, die in der Folge Anwendung in den Instrumenten der Firma Ernst Seifert (Köln-Mannsfeld) fand. Der entscheidende Unterschied dieser Windlade gegenĂŒber anderen Taschen- und Membranladen war, dass die Spielmembranen und damit die wartungsrelevante Technik nicht unten im Innern der Kanzelle, sondern oben in den Pfeifenstöcken untergebracht ist, die sich im Wartungsfall separat fĂŒr jeden Ton einzeln demontieren lassen.cite-ref-4[4]
HĂ€ngeventillade (System Welte)
Bei einer HĂ€ngeventillade werden die PfeifenkanĂ€le durch ein seitlich anschlieĂendes HĂ€ngeventil in Form eines KeilbĂ€lgchens anstelle einer stehenden Tasche mit Spielwind versorgt.cite-ref-5[5] Dieser seltenere Ladentyp fand hĂ€ufig Anwendung in Orchestrions der Firma Welte.cite-ref-6[6]
Kastenlade
Alle Bauformen der Kastenlade haben gemein, dass sĂ€mtliche Pfeifen auf einem gemeinsamen groĂen und in seinem Inneren nicht weiter in Kanzellen unterteilten Windkasten stehen. Sie unterscheiden sich in ihren Bauformen primĂ€r in der Art und Weise der Registeransteurerung.
Kastenlade (System RĂŒhlmann)
Eine der frĂŒhesten Bauformen der Kastenlade ist das System von Wilhelm RĂŒhlmann aus Zörbig. Die Tonventile unter jeder einzelnen Pfeife sind hier als Taschen in Form von KeilbĂ€lgchen ausgefĂŒhrt. Unter jedem Register verlĂ€uft eine Leiste, die bei ausgeschaltetem Register die Taschenventile im geschlossenen Zustand arretiert, selbst wenn diese durch BetĂ€tigen einer Taste entlĂŒftet werden. Ist das Register eingeschaltet, so senkt sich die entsprechende RĂŒckhalteleiste ab und gibt der entsprechenden Tasche den Weg zur Ăffnung frei.cite-ref-7[7]
Pitman-Lade
Bei der in den USA verbreiteten Pitman-Lade handelt es sich um eine Sonderform der Kastenlade mit Taschenventilen zur Tonsteuerung. Unter jeder einzelnen Tasche befindet sich ein zusĂ€tzliches zylinderförmiges Ventil, der sogenannte Pitman, der bei ausgeschaltetem Register die EntlĂŒftung der entsprechenden Tasche und somit das Erklingen des jeweiligen Tones blockiert. Ist ein Register eingeschaltet, so sind alle entsprechenden Pitmans durch einen Luftdruckunterschied angehoben und geben so den Weg zur EntlĂŒftung der Tasche frei. In Deutschland wurde dieses System unter anderem von der Firma Emanuel Kemper (LĂŒbeck) gebaut. Die Kemper-Orgel der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz besitzt Pitman-Laden.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]
Einzeltonlade
Bei der Einzeltonlade mit elektrischer Traktur wird die Windzufuhr fĂŒr jede Pfeife durch ein eigenes elektrisches Magnetventil gesteuert, jeder Pfeife ist also genau ein Ventil zugeordnet. Lediglich die Pfeifen einer gemischten Stimme können ein gemeinsames Ventil haben. Es gibt bei dieser Bauform keine Unterscheidung zwischen Spiel- und Registerventilen. Die Steuerung der Stromzufuhr zum Ventil fĂŒr die jeweilige gedrĂŒckte Taste in Kombination mit dem gezogenen Register erfolgt auf elektromechanischem bzw. auf elektronischem Wege. Die Kastenlade mit elektrischer Traktur war bei dem Multiplexsystem unverzichtbar. Je nach Bauart können die Einzelventile direkt durch den Magneten gesteuert oder durch ein zwischengeschaltetes Relais mit Kegel- (Zustrom) oder Taschenventilen (Abstrom) pneumatisch unterstĂŒtzt sein.
Multiplexsystem
Die Einzeltonlade mit elektrischer Steuerung ist die technische Grundlage zum Bau einer Orgel mit dem Multiplexsystem (engl. Unitsystem). Aus relativ wenigen Pfeifenreihen werden durch die einzelne Ansteuerung der Ventile im Transmissions- und Extensionsverfahren verschiedene Register erzeugt. Dadurch werden Kosten, Platz und Gewicht gespart. Dieses Prinzip ist bei vielen Kinoorgeln der 1920er und 1930er Jahre zu finden. Das klangliche Ergebnis hÀngt sehr vom Einzelfall ab. Systembedingt treten einige Nachteile auf:
âą Die Eigencharakteristik der aus einer Pfeifenreihe erzeugten Register geht verloren. Die Register, die aus einer Pfeifenreihe erzeugt werden, klingen alle gleich.
âą Durch Transmissionen geht der Charakter einer Orgel mit mehreren Teilwerken verloren.
âą Bei mehrstimmigem Spiel besteht das Problem, dass bei OktavzusammenklĂ€ngen und bei Quintextensionen aus derselben Pfeifenreihe auch bei QuintzusammenklĂ€ngen weniger Pfeifen gleichzeitig als bei anderen IntervallzusammenklĂ€ngen erklingen, wodurch der Gesamtklang vor allem bei leiseren Registrierungen dĂŒnn und unausgewogen erscheinen kann. Dieses Problem tritt fast nur beim Spiel auf den Manualen auf, da zweistimmiges Pedalspiel sehr selten ist.
⹠Bei der Extension von Aliquotregistern aus Grundstimmen sind diese nicht rein, sondern gleichstufig gestimmt, was der Klarheit und Verschmelzung des Klanges abtrÀglich ist.
Aus den bekannten Nachteilen wurden hĂ€ufig entsprechende orgelbauliche Konsequenzen gezogen, wodurch Multiplexorgeln mit fĂŒr ihren Einsatzzweck brauchbarer Klangcharakteristik entstanden.
âą Die Zahl der Grundstimmen, also Pfeifenreihen, aus denen Register in den Lagen 32âČ (seltener und meist im Pedal), 16âČ, 8âČ, 4âČ, 2âČ und 1âČ generiert werden, wird nicht zu gering angesetzt. Ăblich sind etwa folgende Pfeifenreihen: Prinzipal, Flöte (offen), Gedackt und eine streichende Stimme als Labialstimmen und Trompete sowie ein bis zwei weitere Lingualstimmen mit unterschiedlicher BecherlĂ€nge.
âą Transmissionen vor allem auf mehrere Manuale werden auf ein Minimum reduziert.
âą Auf die Extension von Aliquotregistern aus Grundstimmen wird verzichtet. Aus einer labialen Quintpfeifenreihe können die Quinten 10 2â3âČ (seltener und meist im Pedal), 5 1â3âČ, 2 2â3âČ und 1 1â3âČ generiert werden, aus einer labialen Terzpfeifenreihe die Terzen 3 1â5âČ und 1 3â5âČ. FĂŒr die seltener disponierten Septimen und Nonen gilt Entsprechendes. Von diesem Verzicht kann eine Ausnahme gemacht werden. Da die Multiplexorgel in aller Regel gleichstufig gestimmt ist, können die Quinten 21 1â3âČ und 10 2â3âČ im Pedal aus einer Grundstimme, die natĂŒrlich bis zum Subkontra-C (32âČ auf Taste C) herunterreichen muss, per Quintextension generiert werden. In dieser tiefen Lage stört die Abweichung der so generierten Quinten um â2 Cent von den reinen Quinten meist nicht.
Die Klangcharakteristik einer Multiplexorgel muss immer auch im Zusammenhang mit ihrem Einsatzzweck gesehen werden. So ist eine Kinoorgel primĂ€r fĂŒr die musikalische Begleitung von Stummfilmen ausgelegt. Daher darf beispielsweise nicht erwartet werden, dass auf einer solchen Orgel Literatur aus der Barock- oder gar der Renaissancezeit angemessen wiedergegeben werden kann.
Antike und mittelalterliche Windladen
Bei den antiken Orgeln wurden die verschiedenen Pfeifenreihen auf einer Art Registerkanzellenlade angeordnet. Ob die einzelnen Register der Erzeugung verschiedener Klangfarben oder dem Spiel in verschiedenen Tonarten dienten, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Seit der Romanik sind registerlose Blockwerke belegt. Alle Pfeifen standen auf einer ungeteilten Windlade. Erst in spĂ€tgotischer Zeit kamen wieder âRegisterâ auf (Stimmscheidung), zunĂ€chst realisiert mit der Sperrventillade, spĂ€ter auch mit der Doppellade und der Schleiflade. Auch hatten diese Ă€ltesten Orgeln noch keine Tasten. Die Töne wurde mit Hilfe von Tonschleifen (Tonschlein), die wie die Registerschleifen der Schleiflade funktionierten, ein- und ausgeschaltet. Sie waren mit RĂŒckstellfedern versehen, so dass der Ton beim Loslassen der Schleife verstummte. Mit der EinfĂŒhrung von Doppel- und Schleiflade verschwanden die Tonschleifen.
Sperrventillade
Diese Windladenbauform kam in der Gotik auf, als das mittelalterliche Blockwerk in zunĂ€chst zwei, spĂ€ter maximal vier âRegisterâ aufgeteilt wurde. Jede Teillade wird ĂŒber ein Sperrventil angeschaltet. Mit dem Aufkommen der Schleiflade wurde sie weitgehend verdrĂ€ngt, hielt sich vereinzelt aber bis ins 17. Jahrhundert.
Doppellade
Diese Windladenform ist eine Mischform zwischen Sperrventillade und Schleiflade. Sie kam in spÀtgotischer Zeit auf, als die Aufteilung in maximal vier Register mittels Sperrventillade als unzureichend empfunden wurde. ZunÀchst wurden einzelne Pfeifenreihen des Hintersatzes auf Einzelschleifen gestellt und so die Anzahl der Register erhöht. SpÀter kamen auch einzelne neue Register (Flöte, Gedackt, Regal) hinzu. Auch dieser Windladentyp wurde von der Schleiflade weitgehend verdrÀngt.
Windladen in Harmonien
Bei einem Harmonium sitzen die tonerzeugenden Zungen in der Windlade, welche in diesem Fall aufgrund der kompakten Verbauung auch als Spielwerk bezeichnet wird. Unmittelbar unter der Tastaturebene sitzen befilzte Klappen ĂŒber den Zungen, die ĂŒber die RegisterzĂŒge wahlweise geöffnet bzw. geschlossen werden können und damit eine Registrierung (Klangwahl) ermöglichen.
Literatur
âą Wolfgang Adelung: EinfĂŒhrung in den Orgelbau. Breitkopf & HĂ€rtel, Wiesbaden 1991, ISBN 3-7651-0279-2.
âą Hans Klotz: Das Buch von der Orgel. 14. Auflage. BĂ€renreiter, Kassel 2012, ISBN 3-7618-0826-7.
Weblinks
Wiktionary: Windlade
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Fotogalerie zur HuĂ/Schnitger-Orgel in St. Cosmae zu Stade mit Fotos einer doppelten Springlade
Einzelnachweise
cite-note-11. â Informationen zur Wechselschleife und deren Technik
cite-note-22. â Roland Eberlein: Eine kleine Geschichte der Orgel. (PDF) Walcker-Stiftung fĂŒr orgelwissenschaftliche Forschung, S. 1, abgerufen am 24. Mai 2014.
cite-note-33. â Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Lexikon sĂŒddeutscher Orgelbauer. Florian Noetzel Verlag, Wilhelmshaven 1994, ISBN 3-7959-0598-2, S. 475.
cite-note-44. â Patentschrift Nr.23370 vom 6. Oktober 1882, Kaiserliches Patentamt.
cite-note-55. â Curt Sachs: Real-Lexikon der Musikinstrumente. Bard, Berlin 1913.
cite-note-66. â Geöffnete HĂ€ngeventillade eines Orchestrions, abgerufen am 2. Februar 2017.
cite-note-77. â Hans-Joachim Falkenberg: Die RĂŒhlmanns. Zwischen Romantik und Orgelbewegung. Ein Beitrag zur Geschichte mitteldeutscher Orgelbaukunst 1842-1940. Orgelbau-Fachverlag Rensch, Lauffen am Neckar 1995, S. 33.
cite-note-88. â AusfĂŒhrliche Beschreibung der Pitman-Lade auf organhistoricalsociety.org (auf Englisch).
cite-note-99. â Beschreibung der Kemper-Orgel der Rhein-Mosel-Halle Koblenz auf Organindex.de